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Hans von Gemmingen (Keckhans) in der Schlacht von Seckenheim 1462

Hans von Gemmingen (Keckhans) in der Schlacht von Seckenheim 1462 Friedrich, genannt der Siegreiche, Enkel Kaiser Ruprechts, regierte die Pfalz als Vormund seines Neffen und Kurfürst von 1449 bis 1476. Ueber die Mainzer Erzbischofswahl geriet er und sein Verbündeter, Herzog Ludwig von Bayern-Landshut, mit Papst, Kaiser und Reichsfürsten in Streit. Zu letzteren gehörten Herzog Ulrich von Württemberg, Markgraf Carl von Baden, und Bischof Georg von Metz. Es kam zum Kampf, und diese Verbündeten versammelten ihre Streitkräfte bei Pforzheim, von wo aus sie gegen die Pfalz vorrückten. Als sie nun zwischen den zum Bistum Speyer gehörigen Ortschaften Roth und St. Leon in der Nähe der pfälzischen Grenze angekommen waren, lag es ihnen am nächsten, mit ganzer Macht auf der Landstraße direkt gegen Heidelberg zu marschieren; aber die Besorgnis, dort und vielleicht schon unterwegs kräftigem Widerstand zu begegnen, scheint sie veranlaßt zu haben, zunächst nach links abzuschwenken, um, wie man sich damals ausdrückte, "dem Feinde zu schaden", d. h. die friedlichen Dörfer zu verbrennen und die Felder zu verwüsten. Überdies waren sie der Meinung, Friedrich befinde sich in Oberbayern, und glaubten deshalb ihr Fußvolk zurücklassen zu können, indem sie mit 700 - 800 Reitern einen Einfall in der Richtung gegen Seckenheim unternahmen. Aber Friedrich hatte seine verfügbaren Truppen rasch bei Leimen gesammelt, von wo aus er am Morgen des 30. Juni 1462 mit 1100 Reitern, denen 2000 Mann Fußvolk folgten, den Feinden jenseits des Schwetzinger Waldes, der damals noch eine größere Ausdehnung hatte, in den Rücken fiel. Der Kampf schwankte längere Zeit, wurde aber schließlich durch das Eingreifen des pfälzischen Fußvolks - Bürger und Bauern aus Heidelberg und Umgegend - entschieden, welches mit seinen langen Spießen eine Menge von feindlichen Streitrossen erstach. Die drei Fürsten wurden mit nahezu 400 Ihrer Reiter gefangen genommen und im Triumph nach Heidelberg gebracht. Unter den Reitern, welche auf Seiten Friedrichs kämpften, finden wir die Namen der Edeln von Adelsheim, Berlichingen, Erbach, Gemmingen, Handschuhsheim, Helmstadt, Leiningen, Rüdt, Seldeneck, Sickingen, Venningen, Waldner, Wambolt, Beger (letzterer aus dem Sundgau im Oberelsaß). Am meisten zeichnete sich Hans genannt Keckhans von Gemmingen aus, indem er den Grafen von Württemberg persönlich zum Gefangenen machte. Es wird erzählt, daß Friedrich die gefangenen Fürsten zwar gut bewirtet, ihnen aber bei der ersten Mahlzeit, gleichsam zur Strafe für das Verwüsten der Fruchtfelder und Verbrennen der Mühlen, kein Brot habe geben lassen. Allein diese Sage ist erst beinahe ein Jahrhundert nach der Schlacht aufgetaucht; auch darf nicht vergessen werden, daß eine solche Art der Kriegsführung damals allgemein üblich war und dem siegreichen Friedrich von seinen Geschichtsschreibern nachgerühmt wurde.

Gleichwohl hat die Erzählung ihn volkstümlicher gemacht, als alle seine Kriegstaten, und ist ein berechtigter Ausdruck der Volksmoral, die sich auch der Plünderungen und der Grausamkeiten der Franzosen von 1689 und 1693 noch beinahe zwei Jahrhunderte später lebhaft erinnert hat. Erst nach beinahe einjähriger Gefangenschaft brachten die Fürsten einen opfervollen Frieden zu Stande. Unter Anderem mußte Markgraf Carl von Baden die Stadt Pforzheim zu einem pfälzischen Lehen machen. Friedrich der Siegreiche war mit seinem Vetter, dem Pfalzgrafen Ludwig von Veldenz und dessen Verbündeten, dem Grafen Emich von Leiningen, in Fehde geraten, und belagerte des ertern Residenzstadt Meisenheim. Als er sich bereits zum Sturm anschickte, erschien Markgraf Carl von Baden in seinem Lager, um einen Frieden zu vermitteln, der dann auch am 23. Juni 1461 zu Stande kam. Der Kurfürst verzieh seinen Gegnern, die Tore der Stadt wurden geöffnet, und beide Heere traten miteinander in freundlichen Verkehr.

Friedrich geriet mit Ludwig von Veldenz späterhin abermals in Fehde, und eroberte am 13. Mai 1470 das demselben gehörige Städtchen Schriesheim an der Bergstraße nebst der Strahlenburg, deren Ruine noch heute die Gegend ziert. Unter der Besatzung befanden sich 16 Fußknechte, die sich ihm früher eidlich zur Treue verpflichtet hatten. Diese ließ er zur Strafe im Neckar ertränken.

Wenige Jahrzehnte später hatten diese Ereignisse ein Nachspiel. Unter Kurfürst Philipp, dem Neffen und Nachfolger Friedrichs des Siegreichen, geriet die Pfalz abermals mit Kaiser und Reich in Kampf, den sogenannten Bayrisch-Pfälzischen Erbfolgekrieg, an welchem sich mit besonderem Eifer die meisten Fürsten beteiligten, welche Friedrich einst seinen Arm hatte fühlen lassen. Auch Markgraf Christoph von Baden, der Sohn des Gefangenen von Seckenheim, wurde vom Kaiser hierzu aufgefordert, der ihm durch besondere Gesandte die Wiedergewinnung der im Frieden von 1463 an die Pfalz abgetretenen Gebietsteile in Aussicht stellte. Allein Christoph, eingedenk des eingegangenen Lehensverhältnisses, widerstand dieser Versuchung mit den Worten: "Ehr und Eid gilt mir mehr denn Land und Leut." Aber dabei blieb er nicht stehen, sondern brachte im Jahr 1505 durch seine persönliche Verwendung bei dem Kaiser, "als treu bewährter Freund der Pfalz und mit gewohnter Hingebung", einen Frieden zu Stande. Drei Jahrhunderte später ist diese edle Handlungsweise des Markgrafen an seine Nachkommen belohnt worden. Sie beherrschen jetzt das Land, das ihr Vorfahr nicht allein mit Krieg verschont, sondern ihm auch den Frieden verschafft hatte! Zum Andenken an die Schlacht von Seckenheim war seiner Zeit ein Denkmal auf dem Schlachtfelde, jetzt Friedrichsfelder Gemarkung, bestehend aus einem Cruzifix, errichtet worden, das sich jetzt in der Altertümersammlung von Mannheim befindet.