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Götz von Berlichingen - Götz verliert seine rechte Hand in der Schlacht vor Landshut
(Originaltext aus der Autobiographie
)


Aus Götzens Lebensbeschreibung:

........Wie ich aber damalen geschossen sey worden, das hat diese Gestalt, ich thet als ein junger Gesell, der auch gern ein Mensch wäre gewest, und daucht mich auch, als jung ich war, man muß mich auch einen Menschen und guten Gesellen seyn lassen, und wie wir demnach am Sonntag vor Landshut, obgehörter massen wieder scharmüzelten, da richteten die von Nürnberg das Geschüz in Feind und Freund, und hielten die Feind also in einem Vortheil an einem Gräblin, daß ich gern mein Spieß mit einem zerbrochen hätte, und wie ich also halt, und sahe nach dem Vortheil, so haben die Nürnbergischen das Geschüz in unß gericht, in Feind und Freund, wie vorgemelt, und scheußt mir einer den Schwerd-Knopf mit einer Feld-Schlangen entzwey, daß mir das halbe Theil in Arm gieng, und drey Arm-Schienen (dieses waren die eyserne Ärmel um den oberen Arm biß an die Achsel, gleichwie hingegen die um das Bein die Bein Schienen genennet wurden) damit, und lag der Schwerd-Knopf in Arm-Schienen, daß man ihn nit sehen kunt, also, daß mich noch wundert, daß es mich nicht vom Gaul herab gezogen hat, dieweilen die Arm-Schienen ganz blieben, dann allein die Ecken, wie sie sich gebogen hetten, gieng noch ein wenig herauß, aber der Schwerd-Knopf lag wie gemeldt, in Arm-Schienen drinnen, das andere Theil des Knopfs und die Stangen am Schwerd-Hefft hett sich gebogen, war aber doch nit entzwey, daß ich gedenck, die Stang und das andere Theil vom Knopf hab mir zwischen dem Handschuh und dem Arm-Zeug die Hand herabgeschlagen, also, daß der Arm hinten und vornen zerschmettert war, und wie ich so das siehe, so hengt die Hand noch ein wenig an der Haut, so thet ich eben als wäre mir nichts darum, und wandt den Gaul allgemach um, und kam dennoch ungefangen von denen Feinden hinweg zu meinem Hauffen, und wie ich ein wenig von den Feinden hinweg kam, so laufft ein alter Lands-Knecht herab, und will auch in den Scharmüzel, den sprich ich an, er soll bey mir bleiben, dann er sehe, wie die Sachen mit mir geschaffen wär, der thets nun und blieb bey mir, must mir auch den Arzt holen, und nachdeme ich gen Landshut kame, so sagten mir meine alte Gesellen, die wider mich im Scharmüzel waren gewest, wie ich geschossen wär worden, und wär ein Edelmann Fabian von Wallsdorff, ein Voitländer mit mir auch in einem Schuß geschossen worden, und blieb er tod, wie wol mich der Schuß vor traff, daß also Freund und Feind mit einander Schaden nahmen, und war derselbig ein feiner hübscher Gesell, als man unter tausend kaum einen so geraden Menschen finden sollte, sie sagten mir auch darbey, was ich zween Tag den Samstag und Sonntag gethan und gehandelt, und zeigten mir alle Wahrzeichen an, was ich für ein Haubt-Harnisch, und wie ich ein Gaul gehabt, und was ich gehandelt hette, daß sie es eben so wol wüsten als ich, wie und was ich mich die zween Tag gehalten hett.

Und von der Zeit an, am Sonntag nach St. Jacobs-Tag, da bin ich zu Landshut gelegen, biß um Faßnacht aussen, was ich die Zeit für Schmerzen erlitten habe, das kann ein jeglicher wol erachten, und wäre das mein Bitt zu Gott, die ich thet, wann ich in seiner Göttlichen Gnad wäre, so solt er im Nahmen Gottes mit mir hinfahren, ich wäre doch verderbt zu einem Kriegsmann, doch fiel mir ein Knecht ein, von dem ich etwann von meinem Vatter seel. und alten Knechten Pfalzgräfischen und Hohenlohischen gehört hett, welcher der Köchle geheissen, und Herzog Georgens von Bayern Feind gewest ist, der hette auch nit mehr dann ein Hand gehabt, und hette eben alsobald ein Ding gegen Feinden im Feld ausrichten können, als ein anderer, der lag mir im Sinn, daß ich Gott aber anruft und gedacht, wann ich schon zwölff Händ hette, und sein Göttliche Gnad und Hülff mir nicht wohl wöllt, so were es doch alles umsonst, (das ist Christ-Löbl. geredet. Es kann öffters ein frommer Krüppel durch Gottes Beystand mehr als ein von Gott verlassener grosser Goliath ausrichten.) und vermeint derenthalben, wann ich doch nit mehr dann ein wenig ein Behelff hette, es were gleich Eine Eiserne Hand, oder wie es ware, so wolt ich dennoch mit Gottes Gnad und Hülff im Feld noch irgend so gut seyn als sonsten ein heilloser Mensch, ich bin auch seithero mit desselben Köchles Söhnen geritten, die redlich und berühmt Knecht gewesen.

Und nachdem ich nun schier sechzig Jahr mit einer Faust Krieg, Vehd und Händel gehabt, so kann ich warlich nicht anderst befinden noch sagen, dann daß der Allmächtig, Ewig, Barmherzige GOTT wunderbarlich mit grossen Gnaden bey und mit mir in allen meinen Kriegen, Vehden und Gefährlichkeiten gewesen. (Sonsten würde der Goliath den David ohnfehlbar erwürget haben.)

 

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