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Hortus Eystettensis–
Der Botanische Garten des Fürstbischofs Johann Conrad von Gemmingen

Johann Conrad von Gemmingen (1595-1612) – Förderer der Künste

Die Burganlage auf dem Willibaldsberg wurde 1355 gegründet und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter Martin von Schaumberg erweitert. Der Umbau zur repräsentativen Residenz durch Elias Holl erfolgte unter Fürstbischof Johann Conrad von Gemmingen (reg. 1595-1612). Die Türme trugen damals Zwiebelhauben. Gemmingen ließ auch den einst berühmten botanischen Garten „Hortus Eystettensis“ anlegen. Das 1613 hierzu erschienene gleichnamige Kupferstichwerk des Basilius Besler stellte die Grundlage für den 1998 eröffneten Bastionsgarten dar, einen Informationsgarten über die Pflanzenwelt des „Hortus Eystettensis“. Die Bepflanzung folgt wie im Pflanzenbuch der jahreszeitlich bedingten Blütezeit. Die Anlage erinnert auch an den einst berühmten botanischen Garten des Fürstbischofs Johann Conrad von Gemmingen, den Besler ab 1592 angelegt hatte.

Die Entstehung des Gartens

Bereits ein Vorgänger von Gemmingens, Fürstbischof Martin von Schaumberg (1523-1590) ließ „newe Gaerten / Lust und Sommerhäuser hinter dem Schloß“ anlegen (Laurentius Eyszeph, 1590). Von Gemmingen erweiterte diese Anlage unter Leitung des Arztes und Botanikers Joachm Camerarius (1534-1598), der viele Pflanzen aus seinem eigenen Garten bei Nürnberg nach Eichstätt brachte. Nach dem frühen Tod von Camerarius übernahm der Nürnberger Apotheker Basilius Besler (1561-1629) die Umgestaltungsarbeiten. In acht einzelnen Gartenbereichen auf unterschiedlichen Geländeniveaus entstand um das Schloß herum der Hortus Eystettensis. Jeder der acht Gartenbereiche war einem Hofgärtner anvertraut. Nach Archivalien des Hochstifts Eichstätt wurde 1604 ein Hanns Jeggle aus Weißenhorn eingestellt und ihm alle „vor dem Schloß... gelegenen Gärten, sambt dem grossen Perg, an Paumen, mit Zierung der Weinreben, Wurtzgerten und allen andern Lustgezierden“ anvertraut. Neben einem Küchengarten sollte er „Pommerantzen, Feigen, welsche und indianische Peum“ einsetzen. Diese Gärten waren „alle underschidlich von Ländern, von partimenti, von Blumenwerckh, sonderlich von schönen Rosen, Lilien, tolepon...“ (Philipp Hainhofer, 1611). Über ein Stiegenhaus, die sogenannte „Botanische Treppe“, hatte der Fürstbischof einen direkten Zugang von seinen Gemächern in die Gartenanlagen. An dieser Treppe befanden sich zwei Altane, wobei es sich hier vermutlich um Dachterrassen gehandelt hat. Dort befanden sich zahlreiche südländische Kübelpflanzen wie Zitrone, Pomeranze oder Marille. Für die damalige Zeit enthielt der Garten sehr viele Pflanzenraritäten, u. a. Tulpen, Hyazinthen und Kaiserkronen. Der Garten entsprach dem wissenschaftlichen botanischen Interesse des Fürstbischofs, diente aber auch dessen repräsentativer Selbstdarstellung. Über die genaue Lage und Ausgestaltung der Gartenanlage weiß man nur wenig. Pläne oder Ansichten des Gartens aus dieser Zeit sind bisher nicht bekannt.

Das Kupferstichwerk „Hortus Eystettensis“  (im 800 Jahre alten Archiv des Burgherrn Baron Dajo von Gemmingen-Hornberg auf Burg Hornberg befindet sich ein besonders gut erhaltenes Exemplar der Erstauflage. ("The greatest botanical picture book ever created!") Durch sein Gewicht von 14 Kilogramm ist es das schwerste und mit dem Wert einer stattlichen Villa eines der kostbarsten Bücher der ca. 4500 Bände umfassenden Bibliothek.

Bereits während der Arbeit an den Gartenanlagen der Willibaldsburg plante Basilius Besler, die dort wachsenden Pflanzen in Kupfer stechen zu lassen und in einem Prachtband zu veröffentlichen.

Zunächst wurden „...wöchentlich eine oder zwo Schachteln voll frischer Blumen zum abconterfetten“ (von Gemmingen, 1611) nach Nürnberg geschickt. Diese Zeichnungen dienten dann als Vorlage für die Kupferstiche. Nach dem Druck wurden einzelne Buchexemplare noch koloriert. 1613 erschien die erste Auflage des Prachtbandes mit 300 Exemplaren. (Originalgröße 56 x 47 cm). Als Verleger wurde der Fürstbischof genannt, welcher bis zu seinem Tod 7500 Gulden in dieses Werk investiert hatte. Ein Exemplar des Hortus Eystettensis kostete in kolorierter Ausführung 500 Gulden, unkoloriert nur 35 Gulden (Zum Vergleich: Der Monatslohn eines Zimmermannsknechtes betrug ca. 8 Gulden.)

Die zweite (1613) und dritte (1627) Auflage wurden ohne Erlaubnis des Bistums in Nürnberg von der Familie Besler gedruckt, wobei aus Kostengründen auf die Erläuterungstexte zu den Pflanzenabbildungen verzichtet wurde. Nach der Rückgabe der Druckplatten an das Fürstbistum erschienen in Eichstätt noch drei weitere Auflagen in den Jahren 1640, 1713 und 1751 mit veränderten Vorworten und Titelblättern.

Bisher ging man davon aus, dass die Kupferplatten 1820 in München eingeschmolzen wurden. 1998 entdeckte man überraschenderweise in der Albertina in Wien 329 der insgesamt 372 Platten.

Weltweit existieren nur noch 28 kolorierte Exemplare des Hortus Eystettensis.

Nicolas Barker, ehemals Bibliothekar an der British Library in London, hat dem Hortus Eystettensis 1994 eine gründliche Studie gewidmet. Er nennt darin Beslers Werk „The greatest botanical picture book ever created“.

Allein schon die physische Erscheinung des Buches ist beeindruckend: Es misst 54 x 45 x 13 cm und wiegt 14 Kilogramm. Ein komplettes Exemplar umfasst 367 großformatige Kupfertafeln mit dem zugehörigen beschreibenden Text auf der jeweiligen Gegenseite.